Welche Rechte haben Kinder?

Rostocker Kinder-Uni beschäftigt sich am Mittwoch mit Kinderrechten

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. „In Deutschland leben fast 14 Millionen Kinder und Jugendliche. Trotzdem sind sie immer noch die schwächste gesellschaftliche Gruppe“, weiß Prof. Dr. Jens Brachmann von der Uni Rostock. Aber wo liegt das Problem? Und welche Rechte haben Kinder überhaupt?

Darüber spricht der Bildungshistoriker und Direktor des Instituts für Allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik am 22. September in der Rostocker Kinder-Uni. Nachdem wegen Corona die Vorlesungen lange Zeit nur online stattfanden, dürfen nun wieder Kinder im großen Hörsaal, dem Audimax, Platz nehmen, wenn es heißt: „Alle Menschen haben Rechte. Alle Kinder sind Menschen. – Kinderrechte in Deutschland und in der Welt.“

„Obwohl Kinder besonderen Schutzes und Aufmerksamkeit bedürfen, werden ihre Interessen nur untergeordnet wahrgenommen“, führt Jens Brachmann das Problem in Deutschland aus. Wie problematisch das tatsächlich ist, haben die vergangenen 18 Monate Corona-Pandemie gezeigt. Besonders enttäuschend für ihn: „Die Kinderrechte im Grundgesetz festzuhalten, war ein zentrales Thema im Bundestag. Im Frühjahr ist diese Debatte aber versandet.“

Dabei werden Kinderrechte bereits seit 250 Jahren immer wieder diskutiert, wie der Bildungshistoriker weiß: „Erst 1989 wurden dann mit der UN-Kinderrechtskonvention zehn Rechte für Kinder formuliert, die weltweit gelten sollen. Die sind bei uns aber eben nicht gesetzlich verankert.“ Diesen Unterschied wolle er in der Vorlesung deutlich machen. Und auch, was unsere Nachbarländer bereits besser machen.

Aber zuerst wird Jens Brachmann erklären, was ein Bildungshistoriker eigentlich macht: „Ich bringe ein paar sehr alte Bücher mit, die ich den Kindern zeigen werde.“ Gemeinsam mit den jungen Studierenden wird er dann auf das Thema der Vorlesung kommen. „Was ist ein Kind? Und was sind Rechte? Das möchte ich von meinem Publikum wissen“, erklärt er sein Vorhaben. Zum Einsatz kommt dann auch ein Mensch-Ärger-dich-nicht-Spiel. Was die Regeln dabei wohl mit Rechten zu tun haben? Die Kinder dürfen gespannt sein.

Die Vorlesung zu diesem besonderen Thema findet nicht zufällig ein paar Tage vor der Bundes- und Landtagswahl statt. „Wie es politisch in unserem Land weitergeht, entscheidet sich am 26. September. Auch, wie es für die Kinder weitergeht. Sie haben zwar kein direktes Mitspracherecht, sollen aber am Familientisch mit ihren Eltern über ihre Entscheidung diskutieren und sagen, was sie möchten“, erklärt Jens Brachmann.

Denn laut UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder das Recht bei allen Fragen, die sie betreffen, mitzubestimmen und zu sagen, was sie denken. Als einer der zehn Punkte wird dieser in der Vorlesung besonders hervorgehoben werden. „Die Heranwachsenden dürfen nicht nur mitwirken, sondern müssen das sogar für ihre Zukunft“, betont der Professor. Und wie? Auch das werde Jens Brachmann verraten. „Es gibt zum Beispiel Schülerparlamente, ein Kinder- und Jugendparlament in MV.“

Wenn die kleinen Studierenden am Mittwoch schließlich das Audimax verlassen und sowohl für das Problem als auch die für die Möglichkeiten sensibilisiert sind, dann sei das Ziel der Vorlesung erreicht, sagt der Dozent und blickt voller Vorfreude, aber auch Aufregung auf seine erste Kinder-Uni.

(Text: Maria Lentz, Foto: R. Leppin)

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