Was Sprache und der Körper mit Rhythmus zu tun haben

In der letzten Vorlesung der Kinder-Uni dreht sich alles um Rhythmen und wie man sie ohne Instrumente erzeugt. Aufmerksamkeit und viel Koordination sind von den jungen „Studenten“ gefordert.

Rostock. Lautes Stimmengewirr, Klopfen und Stampfen ist in einer Vorlesung eher ungewöhnlich – und meist unerwünscht. Bei der letzten Kinder-Uni am 18.Dezember ist aber genau das Programm: „Kraftvoll in die Zukunft – wie funktioniert Rhythmus ohne Instrument“ lautet das Motto. Und kraftvoll laut geht es in den gut gefüllten Reihen des Audimax an diesem Nachmittag ganz gewiss zu, als Dietrich Wöhrlin, Dozent für Schlagzeug und Percussion an der Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT), zeigt, wie man mit seiner Stimme und seinem Körper allerhand Rhythmus erzeugen kann.

Zu Beginn begrüßt aber erstmal Wolfgang Schareck, Rektor der Universität Rostock, die zahlreichen Kinder, die schon sichtlich gespannt darauf sind, was sie erwartet. „In der Uni klatscht man nicht, wenn etwas gut ist – man klopft“, erklärt er und fordert die jungen „Studenten“ auf, im Takt auf den Tisch zu klopfen: „Eins, zwei drei.“ Und schon sind sie mitten im Thema: Sie haben soeben Rhythmus erzeugt. Damit übergibt Schareck an den Prof. Wöhrlin.

Mit sinnlosen Sätzen Rhythmus erzeugen
Ungewöhnlich geht es los – und viele fragen sich sicher, was das soll: Denn nacheinander treten die drei Studenten der HMT, die Wöhrlin mitgebracht hat, und er selbst schnipsend nach vorne und geben dabei „relativ sinnlose Sätze“ von sich. „Vier unterschiedliche Dialekte haben wir gerade gesprochen. Wisst ihr welche?“, fragt der Dozent. Schnell ist klar, es war berlinerisch, bayrisch, schwäbisch und sächsisch. Und wie die Kinder feststellen, klang das sehr rhythmisch. „Ihr seht/hört, Sprache hat sehr viel mit Rhythmus zu tun. Jeder macht einen, wenn er spricht“, fasst Wöhrlin die erste Lektion zusammen.
Sogleich dürfen die „Studis“ das auch selbst ausprobieren: In vier Zonen wird das Audimax dafür aufgeteilt. Jede Gruppe bekommt einen Sprechvers vorgegeben. Dann sollen sie die Verse, die sogenannten Rhythmical, in einer bestimmten Tonlage aufsagen – im Kanon. Eine echt Herausforderung. „Das ist schon schwierig“, gibt Fritz Springsklee(6) aus Rostock zu. Spaß macht es ihm aber trotzdem. Und lustig ist es auch, wie man an vereinzeltem Gelächter hören kann.

Was Rhythmus mit Mathematik zu tun hat
„Wir Rhythmiker beschäftigen uns auch mit Mathematik – zumindest mit den natürlichen Zahlen, wie eins, zwei, drei und so weiter“, erklärt Wöhrlin anschließend. Rhythmen könne man nämlich auch zählen, was wieder alle ausprobieren dürfen: „Eins zwei drei, eins zwei drei“ erschallt es im Takt. In anderen Teilen der Welt werde aber zum Beispiel in Silben gezählt, wie zum Beispiel in Indien, erfahren die Kinder. „Dort wird die Zahl drei praktisch durch ta-ke-di ausgedrückt“, verrät der Dozent. Auch hier zu Lande nutzen die Musiker diese Silben mittlerweile, da es einfacher ist, als unsere Zahlenzu verwenden.

Schlagzeug auf dem Körper spielen
„Wenn wir aber nur bei so einfachen Rhythmen bleiben würden, bräuchten wir nicht zu studieren“, meint Wöhrlin mit einem Zwinkern. Deshalb zeigen seine drei Studenten einmal, was sie alles können und führen im Laufe der Vorlesung zwei komplizierte Stücke vor, die sicherlich niemand im Raum nachmachen könnte. Eines davon heißt „Günschtig“, was süddeutsch ist und „günstig“ bedeutet, indem es um den Kaufrausch vor Weihnachten geht. Wöhrlin hat es selbstgeschrieben. Nicht nur sprechen, sondern auch Klatschen, auf die Schenkel und die Brust schlagen, Stampfen und Schnippen werden darin vereint. „Eigentlich spielen sie ja Schlagzeug. Jetzt setzen sie ihren Körper dafür ein“, erklärt der Profi.
Natürlich muss auch das in der großen Gruppe ausgetestet werden – mit einer vereinfachten Abfolge. „Ich wusste gar nicht, dass ich mit meinem Körper Schlagzeug spielen kann“, meint Bjarte Magnussen (7) aus Biestow. Er ist mit seiner Mama zur Kinder-Uni gekommen und klopft und klatscht begeistert mit. Der Lärmpegel im Audimax ist mittlerweile beträchtlich angestiegen.

Wenn Sumoringer mit Kobolden tanzen
Zum Abschluss wird es noch mal richtig laut, denn nun kommen das erste Mal auch Trommeln zum Einsatz. „Das hat mir am besten gefallen“, meint Fritz Springsklee (6) aus Rostock. Einen Sumoringer,der gegen einen Kobold im Tanzduell antritt, habe sich der Komponist Wöhrlin dabei vorgestellt. Und ja, man kann es deutlich heraushören, wenn man es weiß. Begeisterungsstürme lassen nach den letzten Klängen das Audimax erbeben. Ein durchaus gelungener Semesterabschluss.

(Text: Maria Baumgärtel, Foto: Frank Hormann)

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