Was macht ein Taucher, wenn er mal muss?

Kinder-Uni im Audimax: Gerd Niedzwiedz erklärt jungen Zuhörern die Welt der Forscher unter Wasser.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt – Welches Kind planschen möchte, geht ins Schwimmbad. Welches aber später im professionellen Anzug abtauchen will, war gestern im Audimax der Universität Rostock richtig. Gerd Niedzwiedz vom Institut für Biowissenschaften war Gast bei der Kinder-Uni, eine Veranstaltung von Universität und OSTSEE-ZEITUNG, und erklärte kindgerecht die Welt der Forschungstaucher und die ersten Gehversuche des Tauchens. Wie aus einer anderen Zeit wirkte der ausgestellte 20 Kilogramm schwere Taucherhelm, den Niedzwiedz als Teil eines Taucheranzuges aus dem 19. Jahrhundert dabei hatte.

„90 bis 100 Kilo wiegt so ein alter Anzug mit Schuhen und Gewichten“, sagt der Forschungstaucher. Wirklich „Atemberaubend“, stimmen die Kinder ihm zu. Paul, Chris und Anna-Lena wollten sich nach dem Vortrag einmal den Helm auf den Kopf heben lassen: „Hätten sie losgelassen, wäre ich bestimmt umgekippt“, sagt die achtjährige Anna-Lena. Angst hatte sie unter der schweren Metallhaube nicht, „ein komisches Gefühl war es aber schon“.

Heute haben Forschungstaucher viel modernere Anzüge. „Forschungstaucher werden weltweit eingesetzt“, sagt Niedzwiedz. Das bedeute viele 100 Stunden Ausbildung und regelmäßige Tauchgänge. Nur eine kleine Anstrengung, wenn man dafür auf Armeslänge mit einem Pinguin schwimmen oder das älteste Tier der Welt sehen könne. Niedzwiedz zeigte passend dazu Bilder aus der Unterwasserwelt: „Ein Schwamm im Meer wächst pro Jahr etwa einen Millimeter. Dieses Exemplar ist 1000 Jahre alt“, erklärt Niedzwiedz, als das Bild auf der großen Leinwand erscheint. „Das kann doch nicht sein“, staunen die Kinder ungläubig.

Praktische Tipps für Freizeittaucher hat der Forscher auch parat: „Wenn ihr taucht und der Druck tut in den Ohren weh, dann haltet mit Daumen und Zeigefinger eure Nase zu und versucht, darüber auszuatmen“, formulierte er kindgerecht für sein Publikum. Beim Selbstversuch schnaufen und lachen seine Zuhörer. Begeistert vom Experiment „Luft anhalten“ sind Paul, Chris und Anna-Lena: Zwei Taucher aus Niedzwiedz’ Forscherteam tauchen ihre Gesichter unter Wasser und zeigten, wie lange sie ihren Atem anhalten können. Ganze zwei Minuten – das belohnen die Kinder mit großem Applaus. „Igitt“-Rufe und ungläubige Gesichter gibt es, als Niedzwiedz erklärt, wie der „Taucher“ zu seinem Namen kam. „Im Lateinischen heißt Taucher Urinator, weil früher Schwimmblasen aus der Blase von Schweinen gewonnen wurden“, erklärt der Forscher.

Niedzwiedz: „Und was macht ein Taucher, wenn er mal pinkeln muss?“ Die Kinder lachen lauthals, als er es erklärt. „Am besten ist es, immer vorher die Toilette zu benutzen. Wenn es doch mal nicht klappt, gibt es in den Anzügen sogar ein Pinkelventil.“ Tauchen könne anstrengend sein, sagt Niedzwiedz, mache andererseits aber auch sehr viel Spaß.

Der Kinder-Reporter der OZ berichtet

Zu jeder Vorlesung des Kinder-Uni-Semesters darf auch ein Kind über das Erlebte berichten. Diesmal tat das Finn Michael Nissen (8) aus Rostock: „Taucher sind Wissenschaftler mit acht Wochen Ausbildung. Sie tauchen oft in der Kälte. Höhlentaucher machen eine Spezialausbildung. Kluge Leute haben um 1810 den ersten Taucheranzug gebaut. Man kann durch eine Flasche Luft mitnehmen. Ein Mann namens Gregor hielt den Kopf in ein Wasserbecken, er schaffte zwei Minuten.“


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