Von wegen Storch: Kinder lernen, wo Babys herkommen

Warum haben Kinder Eltern? Wie lange dauert eine Schwangerschaft? Welches Körperteil kommt zuerst auf die Welt? Antworten für Kinder gab es gestern im Audimax.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) Was bringt denn nun der Klapperstorch? Diese Frage wollte Dr. Walter Sadenwasser, Geburtshelfer im Ruhestand, gestern in der KinderUni klären.

Viele Geschichten ranken sich um die Verbindung des großen Vogels mit der Ankunft neuer Erdenbürger. Mit einem alten Foxtrott und vielen Zeichnungen zeigt Sadenwasser den Kindern, wie es zu dieser Vorstellung kommt. „Es hieß, der Storch habe der Mutter ins Bein gebissen.“ Damit sei erklärt worden, warum die Mutter im Bett liegt ohne krank zu sein. Dass die ganze Storch-Geschichte nicht stimmen kann, sei aber durch die vielen im Winter geborenen Kinder bewiesen, zu denen immerhin die Hälfte des Auditoriums gehört. „Schließlich wisst ihr ja alle, dass die Störche im Winter in den Süden fliegen, oder?“

Sadenwasser erklärt den Jung­Studenten auch die Bedeutung der Unterschiede zwischen Mann und Frau, wie eine Samenzelle eine Eizelle befruchtet und dass es von der Samenzelle abhängt, ob sich ein Junge oder ein Mädchen entwickelt: „Der Vater hat einen Penis und Hoden, in denen die Samenzellen produziert werden. Die Mutter hat eine Körperöffnung, die in einen großen Raum führt, in dem sich das Leben entwickelt — die Gebärmutter.“ Mit einer einzigen Zelle beginnt alles. „Weiß jemand, wie viele Zellen ein ganzer Mensch hat?“ Eine Zahl dafür kann niemand benennen. „Es ist eine Eins mit 18 Nullen“, erklärt Sadenwasser und die Kinder staunen.

Dann wird es praktisch. Eine Frauenärztin und zwei Hebammen hat Sadenwasser mitgebracht. Und ein Ultraschallgerät, mit dem das entstehende Leben im Mutterleib sichtbar gemacht werden kann. Bevor sich eine Schwangere zu Demonstrationszwecken untersuchen lässt, darf eine kleine Studentin ran. Anastasia (8) aus Rostock legt sich auf die Liege und Franziska Schöpa und Anne Kober lassen ihr Innenleben auf dem Bildschirm erscheinen. „Hier sehen wir natürlich kein Kind“, sagt Sadenwasser. Stattdessen können die Kinder einen Blick auf Anastasias Blase und Därme werfen, sowie ihren Herzschlag hören.

Der neunjährige Joseph kommt nach der Vorlesung zu Walter Sadenwasser und erzählt, dass er ihn eigentlich kennen müsste. Seine Mutter habe erzählt, dass Sadenwasser die Feindiagnostik gemacht habe, als er noch nicht auf der Welt war. Sadenwasser lacht: „Und jetzt habe ich dich gar nicht wieder erkannt.“ Das hatte Joseph allerdings auch nicht erwartet. „Bei so vielen Babys kann man sich ja nicht alle merken.“ Er habe immerhin heute gelernt, dass das Ungeborene über die Nabelschnur nicht nur mit Nahrung sondern auch mit Sauerstoff versorgt wird.

(Text: Ove Ascholl)

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