Über Lebensgemeinschaften und Zombie-Seesterne

Nemo in Rostock: Im Audimax lernen Kinder, dass es im Leben nicht ohne Partnerschaften geht

Rostock. Kira (8) wusste gar nicht, dass Korallen ein Gift haben, das sie gegen Feinde einsetzen, zum Beispiel Clownfische sich aber eine Art Schutzhaut aneignen, um in ihnen einen sicheren Lebensraum zu finden. Das fand die junge Rostockerin an der letzten Vorlesung der Kinder-Uni besonders spannend.

Rund 130 Kinder lauschen mit ihren Lehrern, Eltern oder Großeltern eine dreiviertel Stunde dem Vortrag von Christin Mampe, einer Mitarbeiterin des Zoo Rostock. Unter dem Titel „Wer findet Nemo? Von zauberhaften Wohn- und Lebensgemeinschaften im tropischen Meer“ berichtet sie von nützlichen und lebenswichtigen Partnerschaften in den Ozeanen. Begleitet wird sie von einer Seeanemone und einer Meerjungfrau – zwei Kolleginnen in prachtvollen Kostümen.

Nachdem zu Beginn erst nach dem verschwundenen Stoff-Nemo gesucht wird, der sich scheinbar versteckt hatte, beantworten die Kinder sicher die Fragen, was Nemo eigentlich in einer Seeanemone macht und was das überhaupt ist. Anschließend erklärt Mampe anschaulich anhand ihrer als Seeanemone verkleideten Kollegin, einem freiwilligen Kind aus dem Publikum und mit viel Vaseline, wie die Clownfische in den Korallen-Geflechten leben können – nämlich durch eine Schutzschicht aus Schleim, den die Anemonen selbst absondern – und dass die Lebensgemeinschaft beiden etwas bringt: dem Fisch Schutz und Nahrung, der Anemone Sauberkeit und Nährstoffe.

Die Kinder sind erstaunt über diese Wunder der Natur: „Dass so viele Lebewesen sich gegenseitig helfen, ist toll“, begeistert sich Jonas (9) aus Groß Schwaß. Denn mit Nemo und der Seeanemone ist noch lange nicht Schluss – in den Ozeanen gibt es unzählige Lebenspartnerschaften, wie Mampe den Kindern erklärt. Dabei haben nicht immer alle Beteiligten etwas davon: Die Zebrakardinalbarsche benutzen den Diademseeigel zum Beispiel als Kinderstube. Der Seeigel ist wie eine „Kita“ für die kleinen Barsche, vermittelt Mampe.

„Iihs“ und „Oohs“ hallen durch das Audimax, als die Zoo-Mitarbeiterin von den Zungenasseln erzählt – Parasiten, die sich unter der Zunge kleiner Fische festsetzen und die Blutgefäße leer saugen bis die Zunge abstirbt. Für noch größeres Erstaunen sorgt die Tatsache, dass die Asseln selbst dann zur Ersatz-Zunge des Fisches werden. Ja, auch einseitige Lebenspartnerschaften, bei denen einer sogar leidet, gibt es, wie die Kinder erfahren.

Klaas (5) mag wissenschaftliche Themen sehr: „Ich habe Bücher über Planeten, aber auch über Fische zu Hause. Die sind interessant.“ Um noch mehr über den Lebensraum Meer zu hören, ist er heute auch mit seiner Oma aus Wahrstorf nach Rostock gekommen. Neu sind ihm sicher auch die etwas gruseligen Zombie-Seesterne. Sie entstehen leider durch eine Krankheit, bei denen Seesterne ihre „Arme“ verlieren, die dann noch eine Weile eigenständig weiterleben, ehe sie sterben.

Diese Krankheit ist nur ein Problem in den Meeren, das angesprochen wird. Plastik, Müll, Chemikalien und Öl sind weitere, wie die Kinder genau wissen. Dass auch das Abfischen von Menschenhand problematisch ist, ist vielen „Studierenden“ neu. „Wenn eine Lebensart reduziert wird, hat das schwerwiegende Folgen für alle anderen“, erklärt Mampe den interessierten Zuhörern. Um Korallenriffe, denen es immer schlechter geht, zu retten, müssten sich alle betroffenen Länder zusammentun. Doch das sei schwierig. Doch so negativ soll der Vortrag nicht enden und so schlägt die Zoo-Mitarbeiterin auch noch den Bogen zur heimischen Ostsee: Hier sei in den letzten Jahren bereits viel Positives bewirkt worden, so dass es dem Meer heute viel besser geht als noch vor vier Jahren. Erleichtertes Aufatmen bei einigen der Kinder.

Große Freude kommt auf, als zum Abschluss des Kinder-Uni-Semesters Kino- und Hugendubel-Gutscheine sowie Zookarten verlost werden. Im Zoo können die Kinder dann zum Beispiel im Polarium auch noch mal alle Tiere bestaunen, die sie in der Vorlesung kennenlernen durften. Zum Anfassen direkt vor Ort haben die Zoo-Mitarbeiter eine „Fühlstation“ mitgebracht, die von den Kindern im Anschluss des Vortrags gestürmt wird. Korallengestein, Haifischkiefer, Fischpräparate und Muscheln können dort in die Hand genommen und ganz nah betrachtet werden.

„Alles in der Hand halten zu können fand ich besonders toll. Aber eigentlich hat mir alles gefallen“, freut sich Max (7) aus Rostock. Er war zum ersten Mal bei der KinderUni, werde nun aber sicher öfter kommen. Und auch Ben (7) aus Kritzmow geht zufrieden nach Hause: „Ich war schon öfter mit meiner Oma hier – und wie immer bin ich begeistert von dem, was ich gelernt habe.“

(Text: Maria Baumgärtel, Foto: Ove Arscholl)

Zurück