Es muss nicht immer Gips sein

Während der gestrigen Vorlesung bei der Kinder-Uni erklärte Dr. Toralf Scheltz den rund 150 Kindern, warum Knochen brechen, und wie man sie repariert.

Rostock (OZ) - Bevor der große Hörsaal sich gestern in ein großes Krankenzimmer verwandelte, stellte Dozent und Arzt Dr. Toralf Scheltz von der Kinderchirurgie des Uniklinikums eine Regel für alle Kinder-Uni-Studenten auf. Bei allem, was man sehe, rufe ein richtiger Student nie „Iiiiih“ oder „das ist eklig“, sondern ein Student sagt stets gefasst „ah, ja“ oder „das ist aber interessant“.
Es klappte auch so einigermaßen, denn fast die Hälfte aller Kinder im vollbesetzten Audimax hat schon mit dem Krankenhaus Bekanntschaft gemacht und kannte sich so gut aus. „Ich war schon im Krankenhaus, als mir die Zähne rausgeknallt sind“, berichtet Charly. Sie geht in die zweite Klasse der Jenaplan-Schule und wollte genau wie Bruder Tim und alle anderen Kinder wissen, warum Knochen eigentlich brechen und vor allem, ob das auch wieder zu reparieren ist.

Bei einem Unfall, erfuhren sie, kann man stürzen oder stolpern, sich klemmen oder schneiden.Mitunter werden dabei auch die Knochen in Mitleidenschaft gezogen. Man kann sie sich bei einem Unfall prellen, verrenken oder brechen. Welche Knochen das alles so sein können, zeigt Medizin-Studentin Lydia Weidner an einem Skelett. „Keine Angst“, beruhigte Dr. Scheltz die Zuhörer, „das war kein Mensch, alle Knochen sind aus Plastik.“ „Gott sei dank“, sagt Johanna und nimmt die beide Hände wieder von den Augen.

Zu einem Skelett erfahren die erstaunten Kinder, gehören über 200 Knochen. Der längste Knochen ist der Oberschenkel, er ist ein Röhrenknochen, die platten Knochen schützen den Schädel, und die kleinsten Knochen gehören zum Ohr. Knochen bestehen hauptsächlich aus Eiweiß, Kalzium-Salz und Wasser. Die kann man also zu Hause auch gut selber basteln, und schon rühren Lydia und Hanna einen schönen Knochenbrei zusammen. Um richtig festes Knochenmaterial zu bekommen, benötigt man für einen Kunstknochen allerdings ein paar Sonderstoffe. Doch der ist dann richtig hart und ganz leicht.

Stolz zeigt die elfjährige Hanna den neue Knochen herum.

Dann bekommt Niklas von der Fast-Medizinerin Lydia einen schmucken Armverband, und Anna einen Rucksackverband. Der sorgt dafür, dass ein gebrochenes Schlüsselbein wieder gut zusammenwächst.

Toralf Scheltz hat auch richtige Brüche und Verbände aus der Kinderunfall-Chirurgie mit in die Vorlesung gebracht. „Ich bin ganz doof von der Rutsche gefallen“, berichtet Leroy. Doch sein gebrochener Ellenbogen musste gar nicht eingegipst werden. Ihm hilft schon ein fester Verband.

Steven ist allerdings nicht um den Gips herumgekommen. „Ich bin im Sportunterricht so heftig gegen die Wand gelaufen, dass ich mir beide Arme gebrochen habe“, erzählt er. Doch trotz zweier Gipsarme, ein Knochen musste sogar zusammengenagelt werden, kann er lesen, essen und Karten spielen. Nur für die Toilette braucht er Hilfe. Je nach Bruch ist nach vier bis acht Wochen wieder alles verheilt, und die Knochen wie neu.

Und Toralf Schelz ist zufrieden, dass alle Kinder die Notrufnummer112 kennen. Wenn ein Kind fällt, und es mag nicht weiterspielen, sollte man die Eltern oder Lehrer rufen. Dann muss das Kind ins Krankenhaus. „Da sind alle Kinder am Anfang ein wenig traurig, doch dann ist bei uns wie im Ferienlager“, verspricht der Arzt.

(Text: Thomas Sternberg)

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