Kinder-Uni startet mit Tatütata

Bei der ersten Vorlesung der Kinder-Uni im Wintersemester wurde erklärt, wie jeder Lebensretter werden kann.

Rostock (OZ) - Die Spannung steht vielen im Gesicht geschrieben. Vor den Kindern im Audimax, dem großen Hörsaal in der Ulmenstraße, liegt ein Mensch auf der Erde. Aus einer roten Decke schauen nur seine Turnschuhe hervor. Nach zehn Minuten bewegt er sich immer noch nicht, so dass nicht nur die Kinder, sondern auch fast alle Erwachsenen denken, da liegt bestimmt eine Puppe.
Die Spannung flaut ab. Doch dann zieht Christian Manshen (20) vom Jugendrotkreuz die Decke weg und es wird mucksmäuschenstill.

Auf der Erde liegt offenbar ein Verletzter, der sich bewegt und heftig stöhnt. Jeder kann sehen, dass er eine große Wunde im Gesicht hatte. Was war da geschehen?, fragen sich die Teilnehmer der ersten Kinder-Uni-Vorlesung dieses Wintersemesters. Christian Manshen bittet einen Assistenten nach vorn. Der Elfjährige Jan aus dem Auditorium übernimmt freiwillig diese Aufgabe. Schon nach kurzer Zeit agierte er vor den Zuschauern wie ein Profi.

Was ist zu tun, wenn ein Verletzter gefunden wird? „Zuerst aufpassen, dass für euch selbst keine Gefahr besteht“, warnt Christian Manshen die Kinder. Also nach links und rechts schauen und auf den Verkehr achten. „Dann geht ihr zu dem Verletzten und fragt, wie es ihm geht und was passiert ist.“ Jetzt übernimmt der Elfjährige den Part. Er beugt sich zum Verletzten und erfährt, dass dieser eine Treppe heruntergefallen sei, dass es ihm schlecht gehe, dass er Schmerzen habe und dass ihm schwindelig sei. „Das sind wichtige Informationen“, bewertet der Sanitäter die Aussage. „Jetzt müsst ihr eines wissen“, sagt er und breitet seine Arme aus. Rechts und links streckt er den Zeigefinger weg und fragt: „Was ist das? Eins plus Eins?“ Die Kinder lachen, weil es so einfach ist. „Aber das ist auch die Nummer vom Rettungsdienst. 112 müsst ihr anrufen“. Wer kein Handy hat — und das waren gestern bei den Fünf- bis Zehnjährigen die meisten — könne auch zu einer Telefonzelle gehen. „Der Notruf kostet nämlich nichts.“ Oder jemanden mit Handy fragen. Auch Bus-. Straßenbahn-, oder Taxifahrer könnten den Rettungsdienst anrufen.

„Seid ihr selbst am Telefon, dann nicht einfach wieder auflegen. Erst warten, bis es euch gesagt wird, bis alle Fragen geklärt sind.“ Er gibt den Zuhörern mit auf den Weg, dass sie zuerst ihren Namen nennen sollten und dann erzählen, was wann passiert sei. Und dann nimmt der freundliche Sanitäter vom Jugendrotkreuz den Kleinen die Scheu. „Es ist nicht schlimm, wenn ihr den Rettungsdienst vielleicht einmal umsonst angerufen habt. Vielleicht ist der Verletzte gar nicht so doll verletzt. Aber das macht nichts. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig anrufen.“ Am Ende der Veranstaltung fragt Christian Manshen die jetzt fast perfekten Retter im Hörsaal: „Habt ihr noch Angst, den Rettungsdienst 112 anzurufen?“ Und er erntet Kopfschütteln, Lachen und Nein-Rufe. Als das Quad von der Wasserwacht in den Hörsaal mit Blaulicht einfährt, ist auch aus dem letzten kleinen Zweifler ein begeisterter Retter geworden. Nele Leitzke (35), Pädagogin und gestern Begleiterin für ihren Sohn, sagt nach der Veranstaltung: „Das war sehr spannend und sehr kindgerecht. Die Sanitäter haben das Interesse geweckt und den Kindern die Angst genommen.“

Wetter, Farben und spielende Robben
Die nächste Kinder-Uni am 27. Oktober wird sich mit der Frage beschäftigen, warum der Himmel blau ist. Das Geheimnis lüften soll diesmal im Audimax in der Ulmenstraße 69 Dr. Ronald Eixmann von der Seewetterstation Kühlungsborn. Wie immer beginnt die Veranstaltung um 16 Uhr und dauert etwa 45 Minuten. Fest stehen auch die beiden nächsten Vorlesungen. Am 24. November will der Rostocker Mathematiker Professor Florian Pfender mit den Kindern errechnen, wie viele Farben ein bunter Hund hat. Der 15. Dezember steht im Zeichen der putzigsten Meerestiere. Professor Guide Dehnhart vom Rostocker Marine Science Center wird die Frage klären, wie Robben im Wasser ihre Beute finden.

Weitere Informationen sind auf der Internetseite kinderuni-rostock.de nachzulesen. Die Seite hat bisher 205 000 Leser gefunden. Es gibt Unterlagen zum Herunterladen zu den vorangegangenen Vorlesungen, falls mal eine verpasst wurde.

Alle Vorlesungen der Kinder-Uni können eintrittfrei besucht werden. Parkmöglichkeiten stehen kostenlos auf dem Parkplatz neben dem Audimax zur Verfügung.

(Text: Barbara Hendrich)

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