Aufblasbare Rettungsinsel und lustige Anzüge begeistern Kinder

Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) - Der sechsjährige Finn-Noel sitzt gespannt im Hörsaal. Er ist zum ersten Mal bei der Kinder-Uni dabei und mächtig aufgeregt. Schließlich erfährt er nicht jeden Tag, was eigentlich die Seenotretter machen. „Ich glaube, die zeigen heute, wie jemand gerettet wird,“ meint der blonde Junge.
Es wird ruhiger, auf der Leinwand wird ein Film gezeigt: Ein Schiff braust über die stürmische See und bricht die Wellen. Plötzlich steht ein ulkig verkleideter Mann im Saal. Es ist Jörg Westphal von der Deutschen Seenotrettung. Extra für die Kindervorlesung hat er sich in einen alten Rettungsanzug geschmissen. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, eine Kork-Weste um den Bauch gespannt. „Früher gab es noch keine aufblasbaren Rettungswesten“, erklärt der 47-Jährige mit echtem norddeutschen Dialekt. Dann liest er eine Saalwette vor. Es geht um fünf Cent, die anfangs jedem Kind in die Hand gedrückt wurden. „Nachher werden sie wieder eingesammelt. Ich möchte testen, wie ehrlich ihr seid.“ Dann legt er richtig los. Ein Vater aus dem Publikum muss dran glauben. Ab ans Rudergerät. 300 Anschläge soll er schaffen. „Da können Sie sehen, wie anstrengend die Arbeit von Seenotrettern einmal war.“ Immerhin sei damals die Technik längst nicht so modern gewesen. Nun ist das Wissen der Kleinen gefragt. „Wie heißt die rechte Seite am Schiff“, fragt Westphal. „Backbord“, ruft ein kleiner Junge. „Nein“, muss ihn der Seenotretter enttäuschen, „das heißt Steuerbord.“ Weil vor allem die Wikinger früher ihr Steuer an der rechten Seite gehabt hätten, erklärt der Experte weiter. Dann bemerkt er, dass es viel zu ruhig im Saal sei. „Also, jetzt steht ihr alle mal auf und schwingt die Arme. Als ob ihr Wellen macht.“ Die Kinder finden‘s toll, sie haben einen Heidenspaß.

Mittlerweile steht Jörg Westphal im modernen Rettungsanzug mit dazugehöriger Weste vor seinem jungen Publikum. Mit Hilfe eines Films zeigt er den Kindern, wie Seenotretter ein brennendes Schiff löschen können. Dabei pumpt ein dicker Schlauch aus dem Meer Wasser herauf und spritzt es in einem heftigen Strahl heraus. „So kann zum Beispiel die Arkona in Warnemünde 36 000 Liter pro Minute auf ein brennendes Boot spritzen“, sagt Westphal, und blickt dabei in beeindruckte Kinderaugen. Vor allem der schiffsbegeisterte Konstantin (8) guckt ganz aufmerksam zu. „Ich möchte mal Offizier oder Kapitän werden“, erklärt er aufgeregt.

Zum Schluss schnappt sich Jörg Westphal noch zwei Assistenten aus dem Publikum. Sie dürfen mit ihm an einer Leine ziehen, und schwupps bläst sich eine Rettungsinsel auf. Dann gehen noch Spardosen in Form von Booten herum und alle Kinder werfen brav ihre fünf Cent hinein.

Der kleine Finn-Noel geht tierisch begeistert nach Hause. Er werde auf jeden Fall wiederkommen.

(Text: Claudia Tupeit)

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