Letzte Kinder-Uni im Semester: „Ist der Wolf ein Bösewicht?“

Anja Franke (35) arbeitet im Wildpark MV in Güstrow und wird den kleinen Studenten nächste Woche Mittwoch alles zu dem Rudeltier erzählen

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Ist der Wolf ein Bösewicht, vor dem man ganz schnell weglaufen sollte, wenn er einem begegnet? „Nein“, sagt eine, die es wissen muss: Anja Franke arbeitet als Biologin auch mit den Tieren im Wildpark MV in Güstrow. Am kommenden Mittwoch erklärt sie den kleinen Studenten der Kinder-Uni im Hörsaal Audimax, warum so viele Menschen Angst vor dem Wolf haben.

„Er ist natürlich ein Wildtier und kein Spielzeug“, sagt die 35-Jährige deutlich. Man könne ihn nicht streicheln oder einfach füttern, wie etwa einen Hund. Zwar seien sich die beiden optisch ähnlich – gerade auf Schäferhunde und Huskys trifft das zu. „Und es wird auch davon ausgegangen, dass der Hund vom Wolf abstammt, weil Menschen kleine Wölfe zu sich ins Haus geholt und dort an die Menschen gewöhnt haben“, sagt Franke. Aber verschiedene Forschungen haben bereits erwiesen, dass man einen Wolf nicht wie einen Hund halten kann und er sich in Situationen völlig anders verhält als der Hund. „Der Wolf ist per se auch ängstlich und nicht dazu da, zum Beispiel Haus und Hof knurrend zu verteidigen.“ Eher würde er sich zurückziehen.

Sollte aber plötzlich während des Zeltens im Wald in der Ferne ein Wolf auftauchen, wären hastige Bewegen oder gar schreiendes Weglaufen ganz falsch. Wer dem Tier gegenüber steht, sollte vielmehr ruhig bleiben, den Wolf anschauen. „Aber besser nicht direkt in die Augen“, rät Franke. Und am besten sollte man sich rückwärts vom Wolf langsam wegbewegen. „Niemals den Rücken zudrehen“, warnt die Expertin.

Im Wildpark MV in Güstrow leben zurzeit zwölf Wölfe, darunter zwei Erwachsene, der Rest sind Jungtiere. Sie könne zwar keinen von ihnen an einer Leine angebunden mitbringen zur Kinder-Uni, sagt Franke lachend. „Aber ich werde ein Wolfsfell dabei haben, damit die Kinder mal anfassen können.“ Außerdem verdeutlicht sie die spezielle Kopfform des Tieres, in dem sie einen Schädel von einem Wolf dabei haben wird.

Übrigens ist der Wolf in Deutschland eigentlich schon ausgestorben gewesen. „Um 1870 soll der letzte Wolf ausgerottet worden sein“, sagt Franke. Nur in Einzelfällen sei er nochmal durch deutsche Gebiete gestreift. „Seit 1990 steht er aber wieder unter Naturschutz.“ Er darf also nicht einfach „abgeschossen“ werden. „Das ist sogar eine Straftat“, betont die Diplombiologin.

In ihrer Vorlesung geht sie auch darauf ein, dass der Wolf menschliche Feinde hat. Zu den Kritikern frei lebender Wölfe gehören laut Franke Jäger und Landwirte. Warum die den Wolf überhaupt nicht mögen, erklärt die den großen und kleinen Zuhörern ebenso, wie die Tatsache, dass der Wolf ein sehr nützliches Tier ist, das zum Beispiel Pflanzenfresser bejagt. Auch was das „sehr intelligente Rudeltier“ am liebsten im Gaumen zermalmt wird sie den Kindern berichten.

„Ist der Wolf ein Bösewicht?“ ist übrigens das letzte Thema in diesem Semester. Die Kinder-Uni geht in die Sommerpause. Nach der Vorlesung steigt natürlich wie immer das große Abschlussfest. Dieses Mal gibt es auf dem Campus Ulmenstraße eine Eierkuchenparty. Lecker!

(Text & Foto: Claudia Tupeit)

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