Kinder-Uni: Auge in Auge mit dem Riesen Otto

Darsteller und Pädagogen des Volkstheaters erklärten gestern, wie ein Bühnenstück entsteht.
Die Nachwuchsstudenten schauspielerten kräftig mit.

KröpelinerTorVorstadt(OZ) - Traumberuf Schauspieler. Wo sonst schlummern mehr Abenteuer und Abwechslung als in jener schillernden KünstlerBranche? Eine erste Ahnung davon, was es heißt, blitzschnell in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen, bekamen gestern Nachmittag rund 250 Nachwuchsstudenten bei der nunmehr dritten Kinder-Uni im laufenden Sommersemester — einer Kooperation der OSTSEE-ZEITUNG und der Universität Rostock.

Gespannt spürten die Kinder der Frage nach, wie ein Theaterstück entsteht. Nicht selten, dass die jungen Zuhörer in den Hörsaalreihen mit vortrefflichen Talenten wie ihrer Wandlungsfähigkeit in Mimik und Gestik punkteten. „Ein so direktes und lebendiges Publikum. Es ist einfach großartig, mit ihnen in Aktion zu treten“, schwärmte die Dozentin und Volkstheaterpädagogin Swantje Nölke, die an diesem Nachmittag durch die unterhaltsame Veranstaltung führte. Mitgebracht hatte die 31-Jährige nicht etwa nur Skizzen von Kostümen, die vor einer jeden Aufführung angefertigt werden, oder das Bühnenbildmodell aus der Kinderproduktion „Alice im Wunderland“ in Miniaturformat. Nein, es waren vor allem die vier Schauspieler vom Rostocker Volkstheater Peer Roggendorf, Sandra Uma Schmitz, Nadine Rosemann und Stephan Fiedler, die die Fünf-bis Zehnjährigen an ihre klappbaren Sessel fesselten.

Wie gebannt verfolgten sie die Hetzjagd von Polizeihauptkommissar Märzenbecher und seiner Begleiterin Keks auf den ungestümen Gevatter Riese samt Hexe. Dass die Kinder urplötzlich in eine Szene aus dem Stück „Spuk unterm Riesenrad“ katapultiert worden waren, welches am 14. Juni im Theater im Stadthafen Premiere feiert, war den meisten zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar. Als viel zu glaubwürdig erwies sich das Spektakel zwischen Rednerpult und Tafel. Eigens für die Vorlesung hatten die Profi-Mimen ihre Original-Bühnenoutfits aus dem Theaterfundus hervorgekramt — und gaben in ihnen eine exklusive Kostprobe ihres Könnens. Die Darsteller ließen keinen Zweifel daran, dass sie diesen Termin allzu gerne wahrnahmen — sie hatten sichtlich Spaß am Schauspiel-Experiment mit den Kleinen.

Auch denen gefiel, was sie sahen: „Diese Kinder-Uni ist besonders cool“, urteilte der Neunjährige Tommy. Warum? „Weil es hier heute so lustig ist und wir mitjagen können“, antwortete der Drittklässler. Denn wie sich später herausstellte, trugen erst die gezielten Tipps der jungen Co-Ermittler aus dem Auditorium dazu bei, den Riesen und die Hexe mit angsteinflößend krummer Nase ausfindig zu machen. Apropos Nase: Einen guten Riecher bewies auch Moderatorin Swantje Nölke, die sogar den theoretischen Part der Vorlesung wie die Erläuterung der griechischen
Wortherkunft von Theater mit Bravour meisterte und die quirlige Meute stets bei Laune hielt.

So erlebte Reporterkind Vanessa (10) die Vorlesung:

Die Vorlesung gestern hat mir ganz viel Spaß gemacht. Ich besuche sehr regelmäßig die Kinder-Uni, die mir jedes Mal sehr gefällt. Diesmal war es toll, dass so viele Schauspieler mit dabei waren. Dadurch habe ich gut verstanden, wie die Künstler am Theater arbeiten. Wenn ich das nächste Mal ins Theater gehe, werde ich noch aufmerksamer gucken, wie sie miteinander spielen. Wenn ich erwachsen bin, möchte ich zwar kein Schauspieler werden, mehr interessiert mich die Arbeit mit Tieren. Was Darsteller auf der Bühne leisten, finde ich super. Kein Wunder, dass sie Applaus bekommen.

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