Kinder-Uni in Rostock: „Müssen die Eisbären schwimmen lernen?“

Das Eismeer, Fridtjof Nansen und der Klimawandel – um diese Begriffe dreht sich die vorerst letzte Rostocker Kinder-Uni am 16. Juni. Ein Meeresphysiker und ein Ingenieur erzählen dabei von ihrer Expedition in die Arktis. Die OZ hat sie vorab im Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde besucht.

Rostock. Müssen Eisbären schwimmen lernen? Können sie das etwa nicht? „Doch, das können sie sogar hervorragend“, sagt Volker Mohrholz vom Warnemünder Leibniz-Institut für Ostseeforschung (IOW). Dennoch gehen er und sein Kollege Ingo Schuffenhauer bei der Vorlesung der Rostocker Kinder-Uni am 16. Juni genau dieser Frage nach. Warum? Das werden sie noch erklären. Gemeinsam mit den Kindern begeben sie sich jedenfalls ins Eismeer – auf die Spuren des norwegischen Polarforschers Fridtjof Nansen.

Rund 125 Jahre nachdem der Norweger eine der wohl bekanntesten Expeditionen in die Arktis beendet hat, kehrte im vergangenen Frühjahr das Forschungsschiff „Polarstern“ von seiner Reise in die Arktis zurück. Ein Jahr lang war der Eisbrecher durch das Eis gedriftet, um den Klimawandel zu erforschen. Zwanzig Nationen waren an der sogenannten „Mosaic“-Expedition beteiligt. Mit dabei auch Mohrholz und Schuffenhauer.

„Eine außergewöhnliche Reise, die so schnell nicht wiederholt werden wird“, begeistert sich Mohrholz. Schon als Kind habe er von der Seefahrt geträumt. Als Meeresphysiker kann er diesen Traum seit 25 Jahren nicht nur leben, sondern auch mit seiner zweiten Leidenschaft vereinen: der Wissenschaft. „Ich beschäftige mich unter anderem mit Strömungen, Wassertemperaturen, Salzgehalten und was das bewirkt“, erklärt er.

Kollege Schuffenhauer ist als Ingenieur für die Messgeräte auf den Forschungsschiffen zuständig. Mikrostruktursonden zum Beispiel, die im Wasser genau das messen, was Mohrholz dann auswertet. „Wir werden bei der Vorlesung eine solche Sonde dabei haben, um sie den Kindern zu zeigen“, sagt Schuffenhauer.

Aber das ist natürlich bei weitem noch nicht alles: Anhand von Bildern und Videos werden die beiden Mitarbeiter des IOW von ihrer Arbeit undden Erfahrungen in der Arktis berichten. „Wie lebt man dort? Welche Herausforderungen gibt es? Was hat sich seit Fridtjof Nansens Expedition verändert?“, benennt Mohrholz nur einige Fragen, die beantwortet werden. Er war während der Polarnacht im Eismeer, einem Zeitraum, in dem es nie hell wird und die Temperaturen auf bis zu minus 40 Grad Celsius sinken. Schuffenhauer hingegen erlebte während des arktischen Sommers ständige Helligkeit. Wie das wohl war?

„Absolut beeindruckend waren auf jeden Fall die Eisbären“, berichtet der Ingenieur. Um die 30 hat er während seiner Zeit im Eismeer gesehen: „Das sind sehr neugierige Tiere, kamen direkt ans Schiff ran.“ Über das Eis ist das möglich – noch. Denn auch darauf wollen die beiden Expeditions-Teilnehmer aufmerksam machen: „Der Klimawandel ist in vollem Gange. Dass das Eis schmilzt, kann man gar nicht mehr übersehen“, erzählt Mohrholz. Damit schwindet auch der Lebensraum der Eisbären. „Und dann müssten sie schwimmen.“

Welche Probleme das Schmelzen des Packeises noch aufwirft, nämlich, dass das Sonnenlicht zum Beispiel nicht mehr reflektiert und zurück ins All geschickt wird, werden Mohrholz und Schuffenhauer den Kindern erklären. „Auch wenn die Arktis weit weg ist, hat sie doch große Auswirkungen auf unser aller Leben“, betont der Meeresphysiker und verspricht: „Die Vorlesung wird spannend – in all ihren Facetten.“

(Text: Maria Baumgärtel, Fotos: Maria Baumgärtel)

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