Kinder-Uni: Gericht und Gerechhtigkeit

Das Projekt der OSTSEE-ZEITUNG und der Uni Rostock startet ins Wintersemester 2016 / In der Auftaktveranstaltung spricht Professor Jörg Benedict über die Aufgaben der Justiz

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Wozu gibt es Gerichte, wozu Verhandlungen? Was geschieht dort eigentlich und was hat das alles mit Gerechtigkeit zu tun? Diese und noch mehr Fragen möchte Professor Jörg Benedict bei der Auftaktveranstaltung des neuen Wintersemesters in der Kinder-Uni beantworten. Die Veranstaltung von OSTSEE-ZEITUNG und Uni Rostock steht dieses Mal unter dem Titel: „Was passiert an einem Gericht?“ und findet am Mittwoch, 28. September, um 15 Uhr im Großen Hörsaal in der Ulmenstraße statt.

Jeder habe sich schon mal gestritten, ist Jörg Benedict von der juristischen Fakultät der Universität Rostock überzeugt. Ob als Kind mit Freunden in der Schule, später mit Kollegen auf Arbeit oder mit der Familie zu Hause. Meist beruhigen sich solche Situationen schnell wieder von allein. Doch manche Probleme könnten nur mit Hilfe von außen gelöst werden. Für Erwachsene führt der letzte Weg dann in einen Gerichtssaal. „Die primäre Aufgabe eines Gerichts ist es, Streit zu schlichten“, erklärt der Jurist.

Doch, um als Richter eine Entscheidung und ein gerechtes Urteil zu fällen, müsse man zunächst dem Streit auf den Grund gehen. „Ich möchte mit den Kindern auch über die Schwierigkeit der Wahrheitsfindung sprechen und welche Beweise es dafür gibt“, sagt der 50-Jährige. Dafür habe er auch eine kleine Übung für die Vorlesung vorbereitet. „Die werde ich aber noch nicht verraten“, sagt Benedict mit einem Augenzwinkern. Er verrät nur, dass die Kinder bei diesem Experiment erkennen können, wie schwierig es sei, etwas richtig wahrzunehmen und wiederzugeben.

Zwei grundsätzliche Dinge sollen die Kinder nach der Vorlesung von Jörg Benedict beantworten können. „Ich werde ihnen erklären, wozu wir ein Gericht brauchen und was da passiert.“ Schon jetzt macht er klar, dass es eine wichtige Institution sei, um ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft zu schaffen und zu erhalten. „Sie erinnern daran, dass es allgemeine Normen gibt, an die sich alle halten müssen“, betont der 50-Jährige.

Wie es ist, vor einer Schar Studenten zu stehen und mit ihnen über Recht zu sprechen, ist für Jörg Benedict nichts Neues. „Ich lehre Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte, bürgerliches Recht und Argumentationstheorie“, zählt der Professor auf. Doch Kinder hat er bisher noch nie unterrichtet. „Das ist ein entscheidender Unterschied“, vermutet er. Die Botschaften über Wahrheit und Gerechtigkeit in seiner Vorlesung würden zwar übereinstimmen, doch die Vermittlung sei komplett verschieden. „Klar freue ich mich darauf, aber es ist definitiv eine Herausforderung.“ Das Grundkonzept hat der gebürtige Warnemünder an zwei Tagen zusammengestellt. Die Details mussten erst nach und nach geklärt werden. „Es wird eine Wundertüte – für mich und auch für die jungen Studenten“, gesteht Benedict.

Welche Fragen Kinder stellen, und wie sie auf seine Ausführungen reagieren, kann er nur schwer einschätzen. Um sich vorzubereiten, hat er auch Rücksprache mit seinen eigenen drei Kindern gehalten, die dreizehn, zehn und zwei Jahre alt sind. Das sei zwar anders als einem ganzen Publikum gegenüberzustehen, doch beim Aufbau der Veranstaltung habe es geholfen. „Ich wollte wissen, welche Fragen sie so zu diesem Thema bewegen und was ihnen gefallen würde“, sagt Benedict. Am ehesten hätte sie interessiert, eine Gerichtsverhandlung auch zu zeigen. „Aber es soll kein Kaspertheater werden. Das ist schließlich die Kinder-Uni und kein Kinder-Theater“, ist er überzeugt.

Stattdessen will er nach einer Einführung in die Grundlagen im zweiten Teil der Vorlesung einen echten Fall vorstellen. Dabei sollen die jungen Studenten nicht nur zuschauen, sondern auch selbst urteilen. „Wie unter anderem bei einer amerikanischen Verhandlung soll es eine Jury geben“, so der Jurist. Alle Kinder im Publikum sollen dann über den Beispiel-Fall entscheiden.


(Text: Johanna Hegermann, Foto: Volker Hartmann/dpa, Uni Rostock)

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