Kinder-Uni feiert Geburtstag

500 Kinder und ihre Begleiter haben das zehnjährige Bestehen mit mehreren Kurz- Vorlesungen gefeiert. Themen: Eisbären, Chemie und Philharmonie.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt – Bunte Smarties, ein großer Knall und eine übergewichtige Prinzessin haben gestern im Audimax zum zehnjährigen Bestehen der Kinder-Uni für Aufsehen gesorgt. Die Veranstaltung ist ein gemeinsames Projekt der Universität Rostock und der OSTSEE–ZEITUNG.

1000 Augenpaare richten sich auf Antje, als sie die Bühne betritt. Mindestens 500 Kilo muss sie wiegen, doch ihr Kostüm ist zum Glück nur aufgeblasen. „Alle lachen mich aus, aber ich bin doch eine Prinzessin“, sagt sie traurig. Kann so jemand eine Prinzessin sein, fragt Kommunikationswissenschaftler Bastian Schwennigcke. „Nein“, brüllen die Kinder, „du bist dick.“ Geschickt behandeln die Dozenten das Thema Mobbing. Wie ist unsere Erwartungshaltung, nach welchen Regeln müssen wir uns verhalten? Das Ende vom Lied: Jeder kann eine Prinzessin sein, wenn er möchte.

Nach der Veranstaltung möchten die Kinder aber lieber Chemiker werden. Etwa ein Drittel meldet sich auf die Frage hin. Das haben sie dem Chemiker Professor Axel Schulz zu verdanken. Smarties sind Atome, erklärt er anschaulich. Und was passiert, wenn der Sauerstoff tanzen will, aber der Stickstoff nur faul ist? Richtig. Der Sauerstoff und die Smarties aus dem Kerzenwachs sorgen dafür, dass die Kerze brennt. Aber der Stickstoff löscht sie aus. Doch damit nicht genug. Schulz provoziert mit Eisenstaub eine Flamme, flötet ohne zu pusten und lässt die vorderen Reihen im Nebel versinken. Das Auditorium jubelt. Spätestens jetzt steht für viele Erstklässler fest: Lernen macht Spaß.

Singen aber auch. „Sing man tau“ spielt Fiete Fischkopp in echter Seemannstracht auf seinem Akkordeon. Alle johlen mit. Von ihm gibt es eine Portion Wissenswertes zum Seebad Warnemünde, das so heißt, weil die Warnow dort in der Ostsee mündet.

Wissenswertes erzählt auch Matthias Pätzold. Er ist der Pfleger des inzwischen jugendlichen Eisbär Fiete im Rostocker Zoo. Weil der aber lieber im Wasser tollt, hat Pätzold den Eisbären Otto in Menschengröße mitgebracht. Warum haben die Vierbeiner ein weißes Fell? Das ist leicht. „Um sich zu tarnen“, rufen ein paar Kinder. Jawohl. Aber dass das Fell gar kein Fell ist und auch nicht weiß, sondern farblos, das wussten die meisten nicht. Den Abschluss bildet das Streichquartett der Norddeutschen Philharmonie, die den „Champagnergalopp“ spielen. Beim anschließenden Sommerfest können die kleinen Studenten so richtig feiern. Die geplante Überraschung – die Landung eines echten Rettungshubschraubers – musste leider ausfallen. „Er hatte einen Einsatz. Aber die Johanniter haben ihr Kommen für die erste Veranstaltung des Wintersemesters zugesagt“, so Organisatorin Wiebke Loseries.

 

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Bastian Schwennigcke (l.) und Widar Wendt zeigen am Beispiel der Prinzessin, welche Rolle die Erwartung an eine Sache spielt. (Fotos: Ove Arscholl)


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Links: Chemiker Professor Axel Schulz und Jana Pittner experimentieren mit brennendem Eisenstaub. Mitte: Fiete Fischkopp und Eisbär Otto hatten beide ihre großen Auftritte im Audimax. Rechts: Mitglieder der Norddeutschen Philharmonie haben für die Kinder musiziert. (Fotos: Ove Ascholl)

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