Kinder lüften Geheimnis eines Bildes

Die Kunsthistorikerin Kornelia Röder erklärt in der Kinder-Uni spielerisch die Bedeutung von Farbe und Linie.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt – Wenn sich die Farbe mit der Linie eines Bildes unterhält, was sagen die beiden zueinander? Brauchen sie einander und mögen sie sich? Diese und weitere Fragen zu den Geheimnissen eines Bildes beantwortet Dr. Kornelia Röder am 26. November um 15 Uhr in der Kinder-Uni, die von der OSTSEE-ZEITUNG und der Universität Rostock veranstaltet wird. „Wenn Farben und Linien miteinander sprechen – das Geheimnis eines Bildes“ heißt die dritte Vorlesung des Wintersemesters im Audimax, Ulmenstraße 69.

„Farbe und Linie werden in der Vorlesung zwei Figuren sein, die sich unterhalten und mit ihrem Gespräch erklären, was sie darstellen und wozu man sie braucht“, erzählt Kornelia Röder, Kunsthistorikerin vom Staatlichen Museum in Schwerin. Um den Kindern das komplexe Thema nahezubringen, hat sich die 56-Jährige eine Geschichte einfallen lassen. „Ich kreiere für die Kinder eine Reise, in der sich die Gestaltungsarten der bildenden Kunst auch für die kleinen Zuhörer verständlich gestalten sollen und miteinander sprechen“, so Röder.

Dafür stelle sich die Linie als wichtigstes Element innerhalb eines Bildes dar, beschreibe sich aber selbst eher traurig und „farblos“. Umgekehrt fühle die Farbe sich ohne Linie sehr „konturlos“. Anhand von Bildern wird dann im Dialog mit Farbe und Linie erklärt, was das Zusammenspiel der sonst einsamen Freunde so wichtig macht. „Denn eine Linie ist nicht nur ein Strich, und auch Farbtöne können unglaublich viel ausdrücken“, sagt die Kunsthistorikerin.

Gemeinsam mit den Kindern möchte Röder beispielsweise die Linienformen und Farben von Albrecht Dürers „Selbstbildnis“ und seinem Werk „Rhinocerus“ spielerisch erarbeiten. Anhand eines Stilllebens sollen die kleinen Wissenschaftler die Geheimnisse eines Bildes erkunden und sowohl Jahreszeiten als auch die Vergänglichkeit innerhalb eines Werkes entdecken.

Auch spannende Aspekte von Kunstwerken wie das Vortäuschen von Dreidimensionalität innerhalb eines „Trompe-l’œil“ (frz. täusche das Auge) werden den Kindern gezeigt. „Gerade in einer Zeit, in der Kinder mit Fotos aufwachsen, die mit Programmen wie Photoshop verändert und bearbeitet werden können, ist es spannend zu erklären, dass schon früher Künstler versucht haben, die Echtheit eines Bildes auch ohne Fotografie darzustellen“, sagt Röder.

Mit Hilfe von Musik sollen sich die Kinder am Ende der 45-minütigen Vorlesung für das Malen eines eigenen Bildes inspirieren lassen und so einen Teil der Vorlesung mit nach Hause nehmen können. Das Stück „Windgespräch“ von Sven Daigger soll die Kleinen beim Malen begleiten und inspirieren. Der Komponist Daigger studiert seit 2009 „Musiktheorie“ an der Rostocker Uni und arbeitet wie Röder am Staatlichen Museum in Schwerin. „Denn Musik ist ein wichtiger Teil von Kunst“, so Röder. Die Kunsthistorikerin freut sich schon jetzt auf die Vorlesung in ihrer Heimatstadt: „Ich finde es toll, dass die junge Generation für solche Themen begeistert werden soll.“

 

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Die Kunsthistorikerin Dr. Kornelia Röder (56) vor Albrecht Röders Werk „Rhinocerus“. Das Bild möchte sie am Mittwoch gemeinsam mit den Teilnehmern der Kinder-Uni besprechen. (Foto: Cornelius Kettler)



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