Kinder fasziniert von alten Schriften

Rund 300 Rostocker Schüler gingen im Audimax an der Ulmenstraße gestern der Frage nach, woher die Bücher kommen.

KröpelinerTorVorstadt(OZ) - Es fing an mit einem Ladenhüter, einem der erlesenen Art. „Nachdem ich ein Band der ‘Drei Fragezeichen‘ das erste Mal alleine verschlungen hatte, verging kein Tag, an dem ich nicht gelesen habe“, erzählte die zehnjährige Pia, die sich bis zu ihrem siebten Geburtstag gedulden musste, bevor sie es geschenkt bekam. Seitdem hat sie das Lesefieber gepackt. Klar, dass Pia gestern nicht fehlen durfte, als Altertumswissenschaftlerin Christiane Reitz zum Thema „Wo kommen die Bücher her?“ im Audimax an der Ulmenstraße referierte.

OSTSEE-ZEITUNG und die Universität Rostock luden am Nachmittag zur Kinder-Uni ein. Der mit 300 wuseligen Kids fast vollbesetzte Hörsaal beeindruckte die Geschichtsprofessorin mächtig, weil sie, wie sie sagt, sonst eher mit zurückhaltenden Studenten konfrontiert sei. Doch auch die jungen Nachwuchs-Studenten gaben sich alle Mühe, stets aufmerksam zu lauschen. „Das ist schon eine echte Herausforderung mit diesem jungem Publikum umzugehen“, stellte Reitz kurz vor Stundenbeginn fest.

Dieser hätte kaum anspruchsvoller eingeläutet werden können. Die Expertin begrüßte ihr Auditorium in lateinischer Sprache. Wirklich verstehen konnte es niemand, doch das Interesse war geweckt. Die deutsche Übersetzung lieferte die Professorin prompt: „Ich freue mich, euch an der Uni begrüßen zu dürfen“, rief Reitz den Schülern entgegen.

Kaum waren die ersten Bilder auf die Leinwand projiziert, begann auch schon das Gemurmel. Zu sehen war das Rostocker Steintor, welches beinahe jeder auf Anhieb erkannte und dies auch lautstark kund tat. Höfliches Melden war da nicht immer angesagt. Mit einer filigranen, schwarzen Kamera zoomte die Wissenschaftlerin bis auf die Innenschrift des Wahrzeichens heran. „Dort steht geschrieben: Wir wollen uns nicht streiten“, verriet Reitz. Das anschließende Hantieren mit Wachstäfelchen, Leserolle, Griffel und Tinte sollte die Kinder unterdessen bei Laune halten, denn ihre Konzentration blieb bei der Reise in die Vergangenheit manches Mal auf der Strecke. Doch
spätestens als Reitz jene Praktiken erklärte, die es den Römern vor 2000 Jahren ermöglichten, zu schreiben, waren alle wieder ganz Ohr. Die Schriften seien in Stein gemeißelt gewesen bevor Papyrus und Pergament, als Vorreiter des heutigen Papiers, das antike Material ersetzten. „Das ist sehr interessant“, sagte die zehnjährige Greta, die mit ihrer Freundin Charlotte (10) die Sitze in der ersten Reihe ergatterte. „Wir lesen viel. Ohne unsere Bücher wäre es oft viel langweiliger“, versicherten beide.

Ihre Botschaft, die Kinder zu respektvollem Umgang mit Büchern zu animieren, konnte Christiane Reitz vermitteln. Die nächste Vorlesung der KinderUni findet am 30. Mai statt. Dann mit dem Thema: Wie entsteht ein Theaterstück?

Zurück