Internet? Das geht genau wie Stille Post

Professor Clemens Cap erklärte gestern bei der Kinder-Uni, welchen Weg Daten gehen.

Kröpeliner-Tor-Vorstadt(OZ) - Stille Post im größten Hörsaal der Universität Rostock. Sieben Kinder stehen links und rechts der Sitzreihen. In ihren Händen halten sie Zettel mit Städtenamen: Bremen, Dortmund, Bonn, Jena, Dresden, Berlin, Rostock. Aus Bremen wird jetzt eine Nachricht nach Rostock geschickt. Leise flüstert Professor Clemens Cap (47) dem ersten Jungen einen Satz ins Ohr. Der läuft zum nächsten Kind, wiederholt den Satz — immer weiter, bis die Nachricht in Rostock ankommt. Am Ziel wird sie verkündet: „Wie kommt die Webseite ins Internet?“ Fast. Denn der Ausgangssatz war: „Das Internet funktioniert wie Stille Post.“

„Genau so ist es“, sagt Clemens Cap, „Internet ist wie das Spiel Stille Post — die Nachricht braucht Zeit, und mitunter wird sie auch verändert.“ Nur, dass im richtigen Internet Elektronen und nicht Kinder die Nachrichten transportieren. Den rund 400 Kindern im Audimax bei der gestrigen Vorlesung der Kinder-Uni wird so auch bewusst, dass die Daten nicht kreuz und quer durch Deutschland oder gleich direkt nach Rostock sausen können. „Auch Daten können sich nur dort bewegen, wo es Straßen für sie gibt“, erklärt Cap.

Fast alle Schüler der Vorlesung — ein gemeinsames Projekt der Universität Rostock und der OSTSEE-ZEITUNG — haben das Internet schon einmal benutzt. Entweder kennen sie die Webseiten-Adresse, etwa die von der Schule, oder sie suchen einen Namen, einen Begriff im Netz. Das geht am besten mit sogenannten Suchmaschinen. Die beste für Kinder heißt „Blinde Kuh“ — und auch die kennt schon die Hälfte der Kinder.

„Ich habe da etwas über Wale gefunden“, nennt Michael (8) ein Beispiel, Eyk (9) hat sich dort schon die verschiedenen Saurier angesehen, und Michelle (9) will heute Abend nach Fotos von Sternen suchen.

Alltag für die kleinen Nutzer des Internets. Im Vortrag erfahren sie auch, dass die Informationen und Nachrichten „verpackt“, richtig verschlüsselt, werden, damit sie kein Fremder lesen kann. Beim Wort Hallo für jeden Buchstaben den übernächsten einsetzen, ergibt Jcnnq. Entschlüsselt man, geht man bei jedem Buchstaben wieder zwei Buchstaben zurück. Die kleinen Zuhörer schreiben die Buchstabenfolge Mkpfgt aufs Papier. Zu Hause sollen sie das Wort entschlüsseln. Sarah (9) hat es gleich am Platz gemacht. „Kinder“ heißt die Auflösung. Auch das Internet benutzt Zahlen und Buchstaben zum Ver- und Entschlüsseln.

Die nächste Vorlesung: am 21. November um 15 Uhr — Andreas Becke vom Institut für Physik beantwortet dann die Frage: Woher kommt E.T.?

Wenn ich irgendetwas über Saurier nicht weiß, schaue ich im Internet nach. Das hilft bei den Haus- aufgaben.“Eyk Witte (9), Grundschule am Taklerring
 
Ich darf manchmal bei Vati am Rechner das Spiel ,Frohe Ernte‘ spielen. Später hilft das Internet auch bei den Hausaufgaben.“Tiark Kühl (8), Schule an der Carbäk
 
Das Internet ist bestimmt für Spiele interessant. Ich will aber erst wissen, wie es genau funktioniert.“Mia-Leoni Tetzlaff (6), Jenaplan-Schule

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