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Bei der ersten Vorlesung des neuen Semesters verrät Informatik-ProfessorinAlke Martens, wie ein Computer funktioniert.
Auch der Computer von Alke Martens macht nicht immer, was sie will. „Identitätskrise“, sagt die Professorin und seufzt. „Ich glaube, er denkt heute, er ist eine Waschmaschine.“ Während andere Menschen in solchen Momenten allerdings versucht sind, vor Wut auf die Tastatur zu schlagen oder vor Verzweiflung zu heulen, hat die 38-Jährige einen entscheidenden Vorteil. Sie weiß, wie der Computer funktioniert. Zumindest theoretisch.
Alle Kinder, die am kommenden Mittwoch um 16 Uhr in das Audimax in der Ulmenstraße kommen, können das anschließend auch von sich behaupten. Zum Auftakt des achten Kinder-Uni-Semesters nimmt Alke Martens gleich mehrere Computer auseinander: kleine, große, alte und neue. Dabei wird es einige Überraschungen geben. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass im Inneren des Computerkastens mehrere Buslinien verlaufen?
Ihre ersten PC-Erfahrungen sammelte Alke Martens noch an der Schule – in ihrer Heimatstadt Hildesheim. Damals seien Computer noch alles andere als gewöhnlich gewesen, erinnert sie sich. In ihrer Klasse hätten nur zwei Kinder einen gehabt. „Handys gab’s auch noch keine.“ Auch keinen echten Unterricht in Informatik, dafür aber eine Arbeitsgruppe. Graue Kästen, die man mit Informationen füttert? „Find ich komisch, versteh ich nicht – muss ich mir angucken“, dachte sich Alke Martens und machte mit.
In der Arbeitsgruppe merkte sie dann schnell, dass Computer viel interessanter sein können als Puppen. „Man kann ihnen sagen, was sie machen sollen – und die machen das dann auch. Das fand ich toll!“, sagt die Professorin und lacht. So lässt sich vielleicht erklären, dass ihre Traumberufe Ärztin und Schriftstellerin schließlich auf die Plätze zwei und drei verwiesen wurden. An der Universität Hildesheim studierte Alke Martens Informatik und nahm sogar in Kauf, dass sie wieder ganz viel Mathe pauken musste. „Obwohl das in der Schule gar nicht meins war.“ Seit 2001 ist Alke Martens in Rostock und würde am liebsten nie wieder weg, „weil es mir hier so gut gefällt“. Am Institut für Informatik darf sie zwischendurch sogar am Computer spielen – im Dienste der Wissenschaft natürlich. Das richtige Spiel könne beispielsweise helfen, Lernängste zu überwinden, erklärt die Juniorprofessorin. Außerdem erforscht sie – grob vereinfacht –, ob man Computern beibringen kann, wie Menschen zu denken. Wobei Alke Martens insgeheim hofft, dass das niemals ganz gelingt. „Dann wäre mein Computer morgens noch beleidigt oder so.“ Vielleicht würde der Kasten auch vor Freude glucksen, wenn zum Beispiel Töchterchen Noa (2) auf ihm herumdrückt. Alke Martens passt allerdings genau auf, dass Noa dabei nicht die falschen Knöpfe erwischt. Schließlich ist im Computer auch ihr erster Fantasy-Roman gespeichert, der demnächst in einem Ulmer Verlag erscheinen soll. Darin spielt die Technik nicht die geringste Rolle, stattdessen tummeln sich dort Zwerge, Elfen und Monster. Denn – so interessant eine Reise ins Innenleben der grauen Kästen sein mag – Alke Martens ist sich sicher: „Im Wald ist es noch viel spannender.“
ANNE SCHEMANN
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